Donnerstag, 8. März 2018
Ich wollt ich wär Alain

Es gibt zwei Handlungsfragmente, für die ich ihn schon immer bewundert habe. Nur er konnte sie so gut als das darstellen, was sie sind. Nämlich Fragmente und eigentlich keine eigenständigen Handlungen. Sie zeichnen sich durch Beiläufigkeit und Coolness aus.

Das eine ist das Aussteigen aus dem Auto, wenn er irgendwo ankam. Aussteigen ist eigentlich schon ein viel zu langes Wort für das, was er tut. Wenn man nämlich nicht genau hinschaut, dann ist er schon wieder weg. Hat das Auto verlassen, die Tür hinter sich zugeschlagen und natürlich nicht abgeschlossen.

Alain Delon

Wie dem auch sei, das Abschliessen einer Autotür nach dem Aussteigen wurde in Filmen lange Zeit überhaupt nicht dargestellt, weil einfach zu spiessig und langweilig.

Das Problem hat sich dann von selber gelöst, seit es diese klick klack Schlüssel gibt, mit denen junge fesche Damen mit ihren Stöckelschuhen flugs aus dem Wagen steigen, ihre Handtasche umwerfen und zügig auf die Boutique zu stöckeln, während es hinter ihnen klick klack macht. Das sieht dann schon ganz süss und sexy aus.

Die andere Geste ist das Bezahlen. Ich hatte früher schon mal darüber gesprochen, aber es beschäftigt mich halt immer wieder gern. Wenn er in einem Bistro oder an der Theke sass und sein Glas ausgetrunken hatte, dann zog er, je nachdem, zwei Münzen oder einen Geldschein aus der Tasche, ohne hinzusehen, und pfefferte oder legte es einfach auf den Tisch oder die Theke und war auch schon verschwunden.

Alain Delon bezahlt seine Rechnung

Keiner hat um die Rechnung gebeten, niemand hat einen Bon oder eine Rechnung gebracht. Keiner weiss, was da verzehrt wurde und was das gekostet hat, ob in dem Betrag Trinkgeld enthalten ist oder nicht. Kein Betrag, kein Kramen im Geldbeutel, kein Wechselgeld, kein Dankeschön und kein Wiedersehen. In deutschen Filmen habe ich diese lässigen Handlungsfragmente nie gesehen.

Was das Autotür abschliessen betrifft, kann ich ja verstehen, dass man dem Zuschauer erspart, dabei zuzusehen, wie der Held die Wagentür sorgfältig abschliesst, bevor er zu einem gefährlichen Treff oder einem heissen Date geht. Bei einer anderen Geste fühle ich mich aber oft verscheissert. Und zwar betrifft das das Einnehmen von einer oder mehreren Tabletten.

Das ist für Kameras natürlich auch nicht sehr spektakulär, wenn Sie eine geöffnete Hand zeigen müssen, in der eine Tablette liegt. Deswegen meinen sie dann öfters gerne mal, sie müssten jetzt noch ganz besonders darauf hinweisen, dass hier jemand eine Tablette (!) schluckt (!). Und wie machen sie das am besten? Sie zeigen den halt, wie er sich etwas einwirft, einen Schluck Wasser nimmt und dann ruckartig und dramatisch den Kopf in den Nacken wirft (!), so als müsste man das machen, damit die Tablette auch wirklich senkrecht nach unten rutscht.

Reine Verarsche ist das. Niemand wirft den Kopf in den Nacken, wenn er eine Pille nimmt.

Und eins ist sowieso sicher. Delon nimmt keine Pillen.

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