Mittwoch, 6. Juni 2018
Vom zweiten Grad ins erste Glied
Die Rolle, die die meisten von uns im politischen Diskurs spielen, ist ja hauptsächlich eine passive. Sie besteht zum grössten Teil aus dem Hören, Lesen und Sehen von Informationen und Nachrichten. Diese werden dann oft unvollständig bis falsch in privaten Gesprächen, am Stammtisch oder als Smalltalk auf Parties und Kindergeburtstagen weitergegeben. Dort werden sie erwähnt und besprochen, um nicht das grössere Wort "diskutiert" zu missbrauchen.

Solche Besprechung erfolgt in fast allen Fällen top-down: Man geht von einer bei sich selbst oder beim Gesprächspartner vorhandenen allgemeinen Idee aus, zum Beispiel "Ausländer schaden uns nur", und bestärkt sich dann gegenseitig durch Suchen, Finden und Aufzählen von Beispielen für die Richtigkeit dieser Meinung. So entsteht Geschwätz und Kommunikation zweiten Grades. Deren Sprache hat keinen direkten Aufforderungscharakter, sie richtet sich an keine kompetente oder handlungsbefugte Person und ist letztlich beliebig.

Derart beliebige und letztlich unbegründete Meinungsfragmente gehen dann bottom-up in eine gemeinsame Richtung, um sich zu einem Haufen gedanklichen Komposts zu verdichten, auf dem so etwas wie die Ah Äff Deeh gedeihen kann.

Diese beginnt dann, in Kommunikation ersten Grades ihren Haufen in den öffentlichen Diskurs herunterzubrechen. So entsteht dann allerdings auch der allgemeiner Wirrwarr in Köpfen und Medien, in den man wie in einen Strudel hineingezogen wird, dessen Bewegungsrichtung jeden nach unten ins Verderben zieht, der ihm hilflos ausgeliefert ist.

Der einzige Ausweg für den denkenden Menschen besteht nun darin, sich geistig so zu verhalten, wie man sich in einem Wasserstrudel verhalten muss, um dem Ertrinken zu entgehen: Man lässt sich erst mal bis ganz nach unten ziehen; das haben wir ja schon getan. Und wenn man mit den Füssen am Boden angekommen ist, geht man wie um Anlauf zu nehmen in die Hocke. Und stösst sich dann mit aller Kraft schräg nach oben ab, um so den Strudel zu verlassen, an die Oberfläche zu gelangen und Land zu gewinnen.

Erst dann kann man anfangen, wieder vernünftige Gedanken zu entwickeln.

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