Freitag, 5. Oktober 2018
Zehn kleine Negerlein
1. Wenn Du auf Netflix eine Serie siehst, die zehn Folgen hat, wobei in der ersten Episode ein Mord geschieht und auch schon der Täter gefunden wird, denkst Du: "Wie soll das noch weitergehen? Was soll in den übrigen neun Folgen noch passieren?"

2. Zehn kleine Negerlein hiess die deutsche Ausgabe des Krimis Ten little Indians von Agatha Christie. Heute heisst sie Und dann gabs keines mehr. In meiner Filmserie gibt's nur einen Schwarzen. Der ermordet wird. Und viele Belgier. Skurrile, normale und sonstige.

3. Wenn in der dritten Folge des Films der wahre Mörder dann endlich gefunden scheint, kannst Du Dir doch wieder die Frage stellen, was in den restlichen sieben Episoden wohl noch so passieren könnte.
La-Treve
4. In La Trêve / The Break gibt es einen Mord, der mehrmals aufgeklärt scheint, wonach dann erneut eine unerwartete Wendung eintritt.

5. Der Film spielt in dem fiktiven Ort Heiderfeld in den Ardennen. Er ist eine Produktion des belgischen Fernsehens RTBF (Radio Télévision Belge Francophone). Die deutsche Version ist sehr gut synchronisiert.

6. Der Mörder ist noch immer nicht gefunden. Ich dachte plötzlich daran, dass ich den Film ja auch in der französischen Version anschauen könnte. Ich wechselte also den Audiokanal und vergass, die deutschen Untertitel auszuschalten. So konnte ich ständig feststellen, dass auch diese sehr gut sind. Zum Beispiel wird n'importe quoi ganz richtig und einfach mit Schwachsinn übersetzt. Damit hatte ich damals als Übersetzer manchmal Probleme.

7. Der Name des Handlungsorts Heiderfeld, tief im Ardennenwald, klingt zwar deutsch und ist fiktiv. Im Lauf des Films werden jedoch gelegentlich auch reale Orte wie Lüttich (Liège), Sprimont, Verviers, Jambes und das Flüsschen Semois erwähnt. Bürgermeisterin ist Frau Fischer (Madame Fischäähr).

8. In der achten Folge neue überraschende Wendung. Schätzungsweise die zwölfte oder fünfzehnte. Wenn Du diese Folge siehst, kannst Du praktisch nicht mehr einfach aussteigen und ins Bett gehen. Die Spannung ist so stark angestiegen, dass Du die letzten drei Folgen unbedingt noch in dieser Nacht sehen willst.

9. Wenn ich eine Rezension eines Buchs oder eines Films lese, in der nicht steht, dass es zahlreiche überraschende Wendungen gibt, entsteht bei mir erst gar kein Interesse. Jeder Text oder Film muss ständig unerwartete Wendungen haben, sonst schaffe ich es kaum, die Rezension überhaupt richtig zu Ende zu lesen. Auch wenn sie zu viele Angaben zur Handlung enthält, mindert dies mein Bedürfnis, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen, ganz erheblich, wenn nicht gar komm! plett!
LaTreveF
10. So kurz vor Schluss kann man es einfach nicht glauben, dass in der zehnten Folge noch irgendetwas passieren könnte. Aber es bleibt spannend bis! zu! letzt! Ich bin die ganze Folge über sprachlos und fassungslos. Mehr darf hier nicht verraten werden.

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Freitag, 21. September 2018
Fortschritt
Seit einigen Wochen arbeite ich jetzt bei Google. Mein Büro befindet sich nicht weit von meiner Wohnung, im neuen e-Distrikt am Rand von Müllheim. Mein Aufgabenbereich ist die Konfiguration, Koordination und Kontrolle (KoKoKo) unserer Google Map Guides.

So nennen wir die Menschen, die innerhalb unseres fest abgesteckten geographischen Territoriums Bewertungen von Restaurants, Hotels und verschiedensten touristischen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten posten. Dabei fallen Unmengen von Rezensionen, Fotos und Kommentaren an, die gesichtet, geordnet und auf verschiedenste Arten ver- und bearbeitet werden müssen.

Ich stehe auch mit den Teilnehmern auf beiden Seiten in ständiger Verbindung, d.h. ich muss oft zwischen Bewertern und Bewerteten vermitteln. Ich kümmere mich ausserdem um Systeme der Katalogisierung, Belohnung und Motivation unserer Guides und freien Mitarbeiter.

Auf der Seite der Bewerteten übernehme ich u.a. die psychologische Betreuung von Personen und Einrichtungen, die oft niederschmetternde Bewertungen erhalten. Sensible Personen können dabei durch allzu harte Kritik bis zum Selbstmord getrieben werden, so dass es auch zu meinen Aufgaben gehört, dies durch einfühlsame Betreuung und Einwirkung auf beide Seiten zu verhindern.

Meine Tätigkeit im grossen Räderwerk von Google ist nur ein ganz kleiner Teil eines grossen und ständig wachsenden Systems der Datenerfassung und Menschenbetreuung. Mein Büronachbar zum Beispiel befasst sich mit verschiedenen anderen Dienstleistern im Verkehrsbereich, der nächste Nachbar im übernächsten Büro kontrolliert und vergrössert die Datendateien mit Bezug auf wichtige öffentliche und private Serviceunternehmen.

Dank des Unternehmens, in dem zu arbeiten ich die Ehre habe, herrscht hier Vollbeschäftigung. Während die Polizeidienststelle in den letzten fünf Jahren um drei Personen vergrössert wurde, hat meine Google-Zentrale Breisgau im gleichen Zeitraum über 500 neue Mitarbeiter eingestellt, darunter auch mich, als Oberbreisgauleiter. Und das Wachstum hält weiter an.

Die Datenmengen werden immer grösser und Google muss ständig neue Bürogebäude bauen, um der Entwicklung folgen zu können.

Da die meisten Arbeitnehmer es ablehnen, ihren Wohnort zu wechseln, um einen neuen Job zu beginnen, müssen wir unseren Bedarf an Mitarbeitern mit Menschen aus der nächsten Umgebung abdecken.

Es bleibt uns daher auch nichts anderes übrig, als Arbeitnehmer mit sehr hohen Löhnen anzulocken und aus verschiedenen anderen Bereichen abzuwerben, in denen sie relativ wenig verdienen. Dazu gehört z.B. Pflegepersonal und Personal aus verschiedenen Dienstleistungssektoren wie Einzelhandel, Erziehung, Verwaltung und Reinigung.

Ausser den neuen Bürogebäuden errichtet Google hier und überall auch ständig neue Wohnblocks für die hauseigenen Beschäftigten.

Ich kann jedenfalls sagen, dass das fantastische Unternehmen, in dem ich arbeiten darf, ständig wächst und eine glänzende Zukunft vor sich hat.

 

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Donnerstag, 20. September 2018
Ostsee

Strandkorb

Weitere skurrile und normale Urlaubsfotos in grösserem Format in meinen Einträgen

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/15/gruss-aus-hildesheim/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/15/fischbroetchen-und-meer/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/16/sonntag-an-bord/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/18/heisser-dienstag/

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Samstag, 11. August 2018
Breisach - Schock Schock Schock
Seit Monaten bin ich auf dem Weg zur Rheinbrücke nach Frankreich immer wieder an ihnen vorbeigefahren. An den Schildern "Umleitung" und "Baustelle Stadtzentrum" und an Breisach selber.

Heute wollte ich mal genauer wissen, was da los ist. Wie kann eine so schöne und tourismusabhängige Stadt am Rhein so lange ihre potentiellen Besucher von sich fernhalten und umleiten, ohne Schaden zu nehmen?

http://www.badische-zeitung.de/breisacher-geschaeftsleute-bangen-wegen-grossbaustelle-um-ihre-existenz

Ich fuhr zum Café Ihringer am Marktplatz und bestellte mir erst mal einen Zwetschgendatschi mit Sahne, um mich dann ein bisschen mit der Bediendame zu unterhalten.

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Datschi mit Baustellenblick

- Ich bin noch ganz geschockt, das ist ja eine Riesen-Grossbaustelle hier.
- Ach, sagen Sie bloss nichts. Das dauert jetzt schon seit vorigem Jahr und soll auch erst Ende nächsten Jahres fertig sein.
- Ja, was soll das denn werden? Auto- und fussgängerfreie Zone?


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Marktplatz im Stadtzentrum jetzt schon auto- und fussgängerfrei

- Naja nicht ganz autofrei, ein paar Parkplätze wird es sicher immer noch geben, für den Bürgermeister und so weiter.
- Da bleibt einem ja der Zwetschgendatschi im Hals stecken. Ist das wahr?
- Da drüben das Café Bechtel war jetzt zwei Monate lang geschlossen, mitten in der Saison.


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Nach Wiedereröffnung nur noch 1 Jahr Baustelle vorm Haus
http://www.badische-zeitung.de/neugestaltung-der-breisacher-innenstadt-kommt-gut-voran

- Da werden sicher noch andere Geschäfte Umsatzeinbussen oder Pleite machen, wenn die Leute nicht mehr mit dem Auto in die Stadt können.
- Das kann schon sein, dass noch einige auf der Strecke bleiben.


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Sonntag, 24. Juni 2018
Gefährliches Pflaster
Ausgewählte Einträge auf https://schreibmanskultbuchauswahl.blogger.de/

Seit einiger Zeit Depuis quelque temps denke ich darüber nach, je réfléchis à ce que welches wohl mein nächstes Auto sein könnte pourrait être ma prochaine voiture. Der Tacho meines PT Cruiser Le compteur de vitesse de mon PT Cruiser steht auf 192.000 (hundertzweiundneunzigtausend) est de 192.000 (cent quatre-vingt-douze mille). Mein Chrysler-Händler meinte, Mon concessionnaire Chrysler m'a dit es sollte in jedem Fall ein Automatik sein qu'elle devrait être automatique dans tous les cas. Das war wohl eine Anspielung auf mein Alter. Je suppose que c'était une allusion à mon âge. Sehr sympathisch. Très sympathique. Immerhin fahre ich seit 7 (sieben) Jahren unfallfrei mit demselben Auto, Après tout, je conduis la même voiture depuis sept ans sans accident circa 25.000 (fünfundzwanzigtausend) km pro Jahr soit environ 25.000 (vingt-cinq mille) km par an.

Chrysler PT Cruiser

Beim Blick auf die heutige Presse En regardant la presse d'aujourd'hui stiess ich zunächst auf eine Regionalzeitung, je suis d'abord tombé sur un journal régional auf deren Titelseite ein Bericht über "Die gefährlichsten Strassen des Elsass" angekündigt wird dont à la une un reportage est annoncé sur "Les routes les plus dangereuses d'Alsace".

Alsace

Ich wusste gar nicht, in welche Gefahr ich mich so oft begebe. Je ne savais pas dans quel danger je me mettais si souvent. Vielleicht sollte ich tatsächlich einen Automatik ins Auge fassen? Peut-être que je devrais vraiment envisager une automatique?

Monde

Eine andere gefährliche Destination Une autre destination dangereuse scheint mir das Land zu sein, me semble être le pays où se déroulent des élections ce week-end in dem an diesem Wochenende gewählt wird. Mit oder ohne Automatik. Avec ou sans automatique.

Taz

Nicht ganz dicht? Pas assez raisonnée? Da ist wohl von Seehofer die Rede. Je crois qu'ils parlent de Seehofer. Ach nein, von den Grenzen. Ah non, des frontières. Auf jeden Fall ein gefährliches Terrain. Dans tous les cas, terrain dangereux. Mit oder ohne. Avec ou sans.

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Donnerstag, 24. Mai 2018
Spiesser oder nicht, das ist hier die Frage
Hallo allerseits!

Neulich musste ich für eine Nachbarin ein Dokument im Krankenhaus abholen. Der Parkplatz war proppenvoll. Ah nein, zwei Plätze waren noch frei. Genauer gesagt, auf jedem stand nur ein halbes Auto. Das haben wir gerne! Ein einziges Auto blockiert rittlings auf der Trennlinie stehend zwei Parkplätze.

Man kennt das ja, sieht es leider ziemlich oft. Und jedes Mal denkt man automatisch - jedenfalls geht es mir so - dass man irgendwas gegen solche Leute tun sollte.

Von den französischen Autos, die hier beim Edeka manchmal alle fünf Behinderten-Parkplätze blockieren, will ich gar nicht erst reden. Ich selber brauche ja keinen, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass so viele Franzosen behindert sein sollen. Und ein Sprachproblem kann es ja wohl auch nicht sein.

Jetzt sah ich mehr oder weniger zufällig bei einem großen Online-Anbieter, wo es ja so gut wie alles und somit auch für jedes Problem eine Lösung gibt, einen Block mit vorgefertigten Haftzetteln. Die kann man dann bei der nächsten Gelegenheit der jeweiligen Dumpfbacke unter den Wischer klemmen.

SCHEISSE GEPARKT

Jetzt aber meine Frage. Bin ich ein Spiesser geworden? Ich habe noch kein Kissen auf der Fensterbank liegen, auf das ich mich auflehnen könnte, um den Strassenverkehr vor dem Haus zu beobachten. Da ist nämlich keiner.

Trotzdem frage ich mich, hätte ich sowas vor 20, 30 oder 40 Jahren auch schon gemacht? Solche schulmeisterlichen Zettel verteilen? Oder gab es diese Probleme - und solche Zettelblocks - früher noch gar nicht?


Grübelnd einen schönen Tag wünscht allen seinen Leserinnen und Lesern

Der Schreibman

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Mittwoch, 28. März 2018
Chécrets

Also bei mir ist das so. Manchmal finde ich einfach keinen ersten Satz. Weil ich gar nichts bestimmtes zu sagen habe.

Naja, jetzt bin ich ja schon beim dritten, damit müsste es dann eigentlich laufen.

Der erste Satz war übrigens ein Vorschlag meiner Frau, als ich ihr sagte, dass ich auf der Suche bin.

Okay, ich wollte über einen Roman schreiben, der in Frankreich spielt, und dann fiel mir Wuppertal ein.

Uli und die Schwebebahn
Schwester Uli und die Schwebebahn

Als wir in Wuppertal lebten, nannten wir die dortige Tageszeitung immer das "Schwebebahn-Journal". Weil jeden Tag irgendeine - und sei es auch noch so kleine - Meldung über die Schwebebahn drin stand.

Und jetzt habe ich einen Roman einer Schweizer Autorin angefangen, der in einer bestimmten Region spielt.

baumann

Statt einer Schwebebahn gibt's dort die Kathedrale von Lisieux, Caen, weisse Kühe, Apfelbäume, die Apfelblüte im April, Apfelkuchen, flambiert mit Calvados, Cidre und ... die berühmten Strände der Normandie! Da, wo damals die Alliierten gelandet sind.

invasion

Was Margot S. Baumann an zwei Stellen ihres Werks unreflektiert und political incorrect als "Invasion" bezeichnet.

Im Licht der Normandie

Der Roman ist eine Mischung aus Liebes- und Kriminalroman, eigentlich ein besserer Groschenroman. ("Er sog scharf die Luft ein, riss sie dann ungestüm an sich und gemeinsam fielen sie aufs Bett. Sein Körper glühte, als würde er in Flammen stehen" usw.) Deswegen werde ich ihn auch nicht zu Ende lesen. Er langweilt mich einfach.

Charolais Rind
Charolais-Rind, fotografiert 2014 von Lilli

Lilli

Interessiert und neugierig gemacht hatte mich der Satz "Un chécret r'à pège teullement qu'à la fin no peut pus l'portaer". Kein "richtiges" Französisch, ich tippte auf Dialekt, Patois, Alt-Französisch. Frau Baumann übersetzt ihn so leichthin und ohne genauere Erklärung mit "Nichts wiegt so schwer wie ein Geheimnis."

Auf Neu-Französisch würde der Satz wohl lauten: "Un sécret pèse tellement qu'à la fin on ne peut plus le porter" - Ein Geheimnis wiegt so lange immer schwerer, bis man es schliesslich nicht mehr (er)tragen kann.

CREPERIE MONTOISE
In der Crêperie (2008)

Ich habe "Im Licht der Normandie" von Amazon Prime geschenkt beziehungsweise kostenlos geliehen bekommen. Das wird mich jedoch nicht veranlassen, mich bis zum Ende des Apfelkuchens durchzufressen.

Ich möchte endlich mal wieder ein gutes Buch lesen! Und einen guten Text schreiben.

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