Mittwoch, 31. Oktober 2018
Anfänge

erika

Weihnachten 1962, als ich gerade 11 Jahre alt geworden war, brachte ich eine Sonderausgabe der Zeitschrift "Bonbon" heraus, die ich kurz davor gegründet hatte.

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Die Auflage dürfte drei bis vier Exemplare betragen haben, da ich zur Vervielfältigung nur Kohlepapier zur Verfügung hatte, und getippt wurde mit einer "Reise-Schreibmaschine" der Marke "Erika", die meine Mutter mir zur Verfügung gestellt hatte.

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Das mit einem anderen Vervielfältigungssystem hergestellte "Feuilleton" hatte dann vermutlich schon eine gesteigerte Auflagenzahl im zweistelligen Bereich, also etwa 10 bis 11 Hefte.

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Der "Treffpunkt" entstand schliesslich mit Hilfe einer Vervielfältigungsmaschine, die mein Onkel, der im Schwarzwald Fabrikdirektor war, ausgemustert und mir geschenkt hatte. Jetzt gab es kein Halten mehr, auch das Redaktionsteam bestand inzwischen aus mehr als einer Person.

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Was die genannte Auflage von 150 betrifft, dürfte es sich allerdings um einen Tippfehler handeln.

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Sonntag, 28. Oktober 2018
Nicht jeder Teppich ist rot
Es ging mir um ein ganz bestimmtes Zitat, in dem von einem Teppich die Rede war. Ich hatte nur noch eine vage Vorstellung davon, was ich einmal gelesen hatte, und googelte "Sprache Teppich ausrollen". Leider erhielt ich nur Textstellen, in denen von einem roten Teppich die Rede war.

Erst nach längerem Suchen gelang es mir, im Spiegel-Archiv den Namen des Autors und die gesuchte Textstelle zu finden. Darin wurde der Sprache nicht etwa ein "roter Teppich ausgerollt", noch wurde ein solcher überhaupt ausgerollt, sondern regelrecht ausgebreitet.

Teppiche werden von uns nämlich ausgebreitet, wenn wir über irgendwas mit irgendwem sprechen.

"Wir reden", erklärt Dirk Baecker, "um immer mehr von dem zu verstehen, von dem wir gleichzeitig immer weniger verstehen."

Das muss man erstmal zweimal lesen. Und auch dann versteht man es eher nur annäherungsweise.

"Wir reden, um einen Teppich auszubreiten, über den wir dann laufen können und unter dem wir die Welt vermuten. Wir reden nicht, um etwas herauszufinden, sondern um etwas auszuprobieren."

Das Ich erfindet und zeigt sich mit jedem Satz neu. Es ist nie das gleiche wie noch vor ein paar Minuten. Wir sprechen, um uns voranzutasten, um alles bisher Gesagte und Gehörte weiterzuentwickeln, und um "zu hören, wie es klingt, am Klang zu erkennen, was wir eventuell noch meinen, und am Gegenüber zu erleben, wie weit das reicht."

Wie weit hat das (bis zu) Dir jetzt gereicht, lieber Leser?

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/52715204

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Sonntag, 14. Oktober 2018
Allez les Écolos
Mein Sohn Bastian wurde gestern in den Stadtrat von Wavre gewählt.

Bastian

Auch Schwiegertochter Catherine kandidierte.

Catherine

Am gestrigen Sonntag, 14. Oktober, bei den Kommunalwahlen in Belgien.

Ecolo

Ich hoffe das Beste für uns alle und wünsche den Grünen auch weiterhin immer mehr Stimmen.

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Freitag, 5. Oktober 2018
Zehn kleine Negerlein
1. Wenn Du auf Netflix eine Serie siehst, die zehn Folgen hat, wobei in der ersten Episode ein Mord geschieht und auch schon der Täter gefunden wird, denkst Du: "Wie soll das noch weitergehen? Was soll in den übrigen neun Folgen noch passieren?"

2. Zehn kleine Negerlein hiess die deutsche Ausgabe des Krimis Ten little Indians von Agatha Christie. Heute heisst sie Und dann gabs keines mehr. In meiner Filmserie gibt's nur einen Schwarzen. Der ermordet wird. Und viele Belgier. Skurrile, normale und sonstige.

3. Wenn in der dritten Folge des Films der wahre Mörder dann endlich gefunden scheint, kannst Du Dir doch wieder die Frage stellen, was in den restlichen sieben Episoden wohl noch so passieren könnte.
La-Treve
4. In La Trêve / The Break gibt es einen Mord, der mehrmals aufgeklärt scheint, wonach dann erneut eine unerwartete Wendung eintritt.

5. Der Film spielt in dem fiktiven Ort Heiderfeld in den Ardennen. Er ist eine Produktion des belgischen Fernsehens RTBF (Radio Télévision Belge Francophone). Die deutsche Version ist sehr gut synchronisiert.

6. Der Mörder ist noch immer nicht gefunden. Ich dachte plötzlich daran, dass ich den Film ja auch in der französischen Version anschauen könnte. Ich wechselte also den Audiokanal und vergass, die deutschen Untertitel auszuschalten. So konnte ich ständig feststellen, dass auch diese sehr gut sind. Zum Beispiel wird n'importe quoi ganz richtig und einfach mit Schwachsinn übersetzt. Damit hatte ich damals als Übersetzer manchmal Probleme.

7. Der Name des Handlungsorts Heiderfeld, tief im Ardennenwald, klingt zwar deutsch und ist fiktiv. Im Lauf des Films werden jedoch gelegentlich auch reale Orte wie Lüttich (Liège), Sprimont, Verviers, Jambes und das Flüsschen Semois erwähnt. Bürgermeisterin ist Frau Fischer (Madame Fischäähr).

8. In der achten Folge neue überraschende Wendung. Schätzungsweise die zwölfte oder fünfzehnte. Wenn Du diese Folge siehst, kannst Du praktisch nicht mehr einfach aussteigen und ins Bett gehen. Die Spannung ist so stark angestiegen, dass Du die letzten drei Folgen unbedingt noch in dieser Nacht sehen willst.

9. Wenn ich eine Rezension eines Buchs oder eines Films lese, in der nicht steht, dass es zahlreiche überraschende Wendungen gibt, entsteht bei mir erst gar kein Interesse. Jeder Text oder Film muss ständig unerwartete Wendungen haben, sonst schaffe ich es kaum, die Rezension überhaupt richtig zu Ende zu lesen. Auch wenn sie zu viele Angaben zur Handlung enthält, mindert dies mein Bedürfnis, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen, ganz erheblich, wenn nicht gar komm! plett!
LaTreveF
10. So kurz vor Schluss kann man es einfach nicht glauben, dass in der zehnten Folge noch irgendetwas passieren könnte. Aber es bleibt spannend bis! zu! letzt! Ich bin die ganze Folge über sprachlos und fassungslos. Mehr darf hier nicht verraten werden.

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Montag, 24. September 2018
Mühen der Faulheit & Wonnen der Arbeit
Wenn man alle Lasten wegnimmt, wird alles Last.

Dieser Satz geht mir durch den Kopf, seit ich ihn - sinngemäss - in dem Podcast von Martin Seel gehört habe.

So hat er sich mir eingeprägt, so habe ich ihn verstanden. Ich weiss genau, was ich mir darunter vorstellen kann.

Tugenden&Laster

Es geht darum, dass man kein anhaltendes Glücklichsein erzielen kann, da das Leben aus einem Auf und Ab bestehen muss. Nur wenn man Eiseskälte im Schnee gespürt hat, weiss man die anschliessende wohlige Wärme im Wohnzimmer richtig zu schätzen.

Würde dauernd die gleiche Temperatur herrschen, die weder zu kalt noch zu warm ist, hat man keine Möglichkeit mehr, solche Glücksmomente zu erfahren.

Auf den vergangenen Sommer bezogen könnte man sagen, dass sechs Monate schönes Wetter irgendwann ihre Schönheit verlieren. Es fehlt der Kontrast, wenn es kein schlechtes Wetter mehr gibt. Das ganze, eigentlich "schöne" Wetter wird nur noch als Last empfunden.

Auf Arbeit und Freizeit bezogen kann man sagen, dass Freizeit nur vor und nach der Arbeit wirklich genossen werden kann. Fallen die Arbeit oder erfüllende Tätigkeit weg, gilt wieder der Satz, dass alles Freizeit und somit Last ist, Muße so zur Last werden kann.

seel

Vortrag des Frankfurter Philosophen Martin Seel zu "Wonnen der Arbeit und Mühen der Faulheit - Über die Transformation von Tugenden in Laster und Laster in Tugenden". Zu seinem interessanten "Hörsaal"-Vortrag über Arbeit und Muße geht's hier.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/arbeit-mehr-als-nur-geld-verdienen

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Freitag, 21. September 2018
Fortschritt
Seit einigen Wochen arbeite ich jetzt bei Google. Mein Büro befindet sich nicht weit von meiner Wohnung, im neuen e-Distrikt am Rand von Müllheim. Mein Aufgabenbereich ist die Konfiguration, Koordination und Kontrolle (KoKoKo) unserer Google Map Guides.

So nennen wir die Menschen, die innerhalb unseres fest abgesteckten geographischen Territoriums Bewertungen von Restaurants, Hotels und verschiedensten touristischen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten posten. Dabei fallen Unmengen von Rezensionen, Fotos und Kommentaren an, die gesichtet, geordnet und auf verschiedenste Arten ver- und bearbeitet werden müssen.

Ich stehe auch mit den Teilnehmern auf beiden Seiten in ständiger Verbindung, d.h. ich muss oft zwischen Bewertern und Bewerteten vermitteln. Ich kümmere mich ausserdem um Systeme der Katalogisierung, Belohnung und Motivation unserer Guides und freien Mitarbeiter.

Auf der Seite der Bewerteten übernehme ich u.a. die psychologische Betreuung von Personen und Einrichtungen, die oft niederschmetternde Bewertungen erhalten. Sensible Personen können dabei durch allzu harte Kritik bis zum Selbstmord getrieben werden, so dass es auch zu meinen Aufgaben gehört, dies durch einfühlsame Betreuung und Einwirkung auf beide Seiten zu verhindern.

Meine Tätigkeit im grossen Räderwerk von Google ist nur ein ganz kleiner Teil eines grossen und ständig wachsenden Systems der Datenerfassung und Menschenbetreuung. Mein Büronachbar zum Beispiel befasst sich mit verschiedenen anderen Dienstleistern im Verkehrsbereich, der nächste Nachbar im übernächsten Büro kontrolliert und vergrössert die Datendateien mit Bezug auf wichtige öffentliche und private Serviceunternehmen.

Dank des Unternehmens, in dem zu arbeiten ich die Ehre habe, herrscht hier Vollbeschäftigung. Während die Polizeidienststelle in den letzten fünf Jahren um drei Personen vergrössert wurde, hat meine Google-Zentrale Breisgau im gleichen Zeitraum über 500 neue Mitarbeiter eingestellt, darunter auch mich, als Oberbreisgauleiter. Und das Wachstum hält weiter an.

Die Datenmengen werden immer grösser und Google muss ständig neue Bürogebäude bauen, um der Entwicklung folgen zu können.

Da die meisten Arbeitnehmer es ablehnen, ihren Wohnort zu wechseln, um einen neuen Job zu beginnen, müssen wir unseren Bedarf an Mitarbeitern mit Menschen aus der nächsten Umgebung abdecken.

Es bleibt uns daher auch nichts anderes übrig, als Arbeitnehmer mit sehr hohen Löhnen anzulocken und aus verschiedenen anderen Bereichen abzuwerben, in denen sie relativ wenig verdienen. Dazu gehört z.B. Pflegepersonal und Personal aus verschiedenen Dienstleistungssektoren wie Einzelhandel, Erziehung, Verwaltung und Reinigung.

Ausser den neuen Bürogebäuden errichtet Google hier und überall auch ständig neue Wohnblocks für die hauseigenen Beschäftigten.

Ich kann jedenfalls sagen, dass das fantastische Unternehmen, in dem ich arbeiten darf, ständig wächst und eine glänzende Zukunft vor sich hat.

 

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Donnerstag, 20. September 2018
Ostsee

Strandkorb

Weitere skurrile und normale Urlaubsfotos in grösserem Format in meinen Einträgen

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/15/gruss-aus-hildesheim/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/15/fischbroetchen-und-meer/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/16/sonntag-an-bord/

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/09/18/heisser-dienstag/

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