Freitag, 18. Mai 2018
Asperger

Jetzt kenne ich schon mehrere Personen mit der Diagnose Asperger. Als ich das Wort zum ersten Mal las, wusste ich noch nicht, dass es sich dabei um den Namen von Herrn Asperger handelt, der seit den 1940er Jahren namensgebend war.

Ich musste zuerst an die beiden französischen Wörter "asperge" und "asperger" denken, also "Spargel" beziehungsweise "bestreuen, besprengen, besprühen, bespritzen", die natürlich nichts mit dem Namen des Herrn Asperger zu tun haben.

Ich hatte schon einmal gedacht, die Aspergers könnten doch einen Club aufmachen, einen Asperger-Verein. Gibt es wahrscheinlich auch schon.

Aber das ist ja eigentlich genau das, was sie nicht wollen, denke ich mal. Denn schliesslich ist es ein Charakteristikum ihrer Diagnose, dass jeder in seiner eigenen kleinen Welt lebt. Und wenn nicht, dann wollen sie doch wohl möglichst als Menschen wie Du und ich betrachtet werden, was sie in vieler Hinsicht ja auch sind. So wie wir manchmal sind wie sie.

Ist nicht jeder ein bisschen Asperger, frage ich mich manchmal.

Wenn jemand einen Text darüber veröffentlicht, wie schlecht es ihm geht, und sich dann darüber ärgert, wenn er oder sie "Gefällt mir"-Klicks erhält und dann fast aggressiv fragt "Was gefällt Dir denn daran?", dann fragt man sich doch, ob man etwas falsch gemacht hat. Oder was man hätte besser machen oder besser nicht machen sollen.

Wenn jemand alles immer nur auf sich bezieht und nur mit seinen eigenen Erfahrungen vergleichen und aus seiner eigenen kleinen Welt berichten kann - ist das schon Asperger oder noch ganz normales Tagebuch schreiben oder gar Literatur?

Wenn jemand Texte schreibt, in denen er oder sie schonungslos seine egozentrischen Gedanken offenlegt, ohne Rücksicht darauf, wen diese interessieren oder wie sie beim Leser wirken könnten - ist das immer gut oder ist es Asperger?

Darf man solche Fragen überhaupt stellen?

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Moin,
und ja, selbstverständlich darf man solche Fragen stellen, ich fürchte nur, es wird sich keine befriedigende Antwort finden lassen.
Zu "Asperger" allgemein: Im Grunde gibt es keine umfassende "Asperger-Diagnose" bzw. Beschreibung, es handelt sich vielmehr um ein breites Spektrum von sehr individuellen Verhaltensweisen, die eben bei jedem letztlich anders ausfallen können.
Ganz grob verallgemeinernd könnte man vielleicht sagen, dass das "Erkennen und Beurteilen von emotionalem Verhalten" nicht wie bei den meisten Menschen "intuitiv" erfolgt, sondern von Asperger Menschen erst erlernt werden muss. Das klappt dann unterschiedlich gut und eben auch mit unterschiedlichen Folgen, wie man sich vorstellen kann.

Ist nicht jeder ein bisschen Asperger, frage ich mich manchmal.
Ja selbstverständlich, kann hier nur die richtige Antwort lauten. Schon deshalb, weil es kein allgemein gültiges, "richtiges" emotionales Verhalten gibt, genausowenig wie eine eindeutig richtige Beurteilung/Deutung des Verhaltens eines anderen.
Also hat jeder auch beachtliche Teile seines eigenen Sozialverhaltens rein rational erlernt und dabei sicherlich unterschiedliche Maßstäbe und Schwerpunkte gesetzt.

Jetzt ist das mit jeder Sorte Macke oder Krankheit ja sowieso so ein Thema, was Modeerscheinungen angeht. Wer ist heute nicht alles laktoseintolerant.
Und Asperger ist vor allem eine sehr bequeme Diagnose, genauso bequem wie ADHS oder schwanger. Ich bin es nicht schuld, wenn ich mich seltsam benehme, es sind die Hormone oder eine Stoffwechselstörung oder was weiß ich, eben irgendeine nicht zu beeinflussende Krankheit, die mich dazu zwingt.

Aus diesem Grund ist natürlich die Zahl der Aspergeraspiranten in der letzten Zeit sprunghaft gestiegen, was aber nun auch nicht weiter schlimm ist, so haben jetzt sehr viele Leute einen Namen für ein Verhalten gefunden, was man vor der Diagnose einfach nur mit "der hat einen Knall" abgetan hätte.
Aus Sicht der nicht betroffenen Menschen ändert sich aber deshalb nicht wirklich etwas, denn wenn sich jemand aus meiner Sicht seltsam verhält, dann ist es mir egal, ob er dafür eine Diagnose hat oder nicht, wenn mich ein Verhalten eines anderen stört, dann gehe ich ihm aus dem Weg, wenn mir das möglich ist, das ist die allereinfachste und bequemste Lösung für alle.
Und soweit es um Dinge geht, die jemand auf seinem Blog schreibt - ja herrjeh, da ist es doch wirklich einfach, ihm aus dem Weg zu gehen, oder?

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Danke
für diesen ausführlichen Kommentar, dem ich nichts hinzufügen möchte.

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