Samstag, 14. April 2018
Von der Äwwennju in die Urinstrasse

Vorigen Sonntag war ich ja nach Belgien zu einem Krankenbesuch gefahren. Erst hinterher habe ich entdeckt, dass mein Handy die ganze 500 km lange Strecke in einer "Zeitachse" aufgezeichnet hat.

Meine Fahrt nach Belgien am 8. April 2018

Eigentlich hatte ich ja über Nancy fahren wollen und durch den 7 Kilometer langen Maurice-Lemaire-Tunnel zwischen Sélestat und Saint-Dié, den ich seit 40 Jahren kenne und mag. Irgendwie hatte ich jedoch die Abzweigung verpasst und folgte dann dem Navi über Strasbourg. Das war allerdings noch der alte Navi. Mit dem neuen wäre mir das vielleicht nicht passiert.

Ihr Französisch müsste die Nachfolgerin von Madame Tomtom allerdings noch ein bisschen verbessern. Und Avenue nicht Englisch aussprechen. Und aus der Rheinstrasse (Rue du Rhin) keine Ru-eh-d'Urin machen.

Heute bin ich dann mal wieder meine kleine Dreiländertour (60 km) gefahren, für die ich natürlich keinen Navi brauche. Ich wollte nur mal sehen, was der sich alles merkt.

Dreiländertour 60 km

Ich war also nach Riehen in der Schweiz gefahren, um in der Migros ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Da gibt es wirklich

Schoggi in der Migros
alles

Schweizer Schokolade
was man so braucht

ausser Alkohol und Zigaretten. Auf dem Rückweg habe ich dann noch ein paar Erdbeeren aus Frankreich mitgenommen.

Einkaufskorb

Allen, denen jetzt ein bissle das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, wünsche ich ein schönes Wochenende. Und den anderen natürlich auch.

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Freitag, 6. April 2018
In vino veritas

Achkarren

Übermorgen, Sonntag, fahre ich zu einem Krankenbesuch nach Brüssel. Dort werde ich auch eine gute Bekannte treffen, die mich gestern gebeten hat, ihr vier Flaschen Wein mitzubringen. Und zwar einen ganz bestimmten Rotwein vom Kaiserstuhl.

Sie dachte wohl, dass es den hier in jedem Supermarkt gibt, dem ist aber nicht so. Ich erfuhr schließlich, dass man ihn entweder direkt vor Ort oder in einer der Edeka-Hieber-Filialen im weiteren Umkreis finden kann. Da das Wetter schön war und es bis nach Vogtsburg-Achkarren nur 40 km sind, fuhr ich heute dort hin.

Als ich auf dem Parkplatz der Winzergenossenschaft aus dem Wagen stieg, hatte ich sofort die Nase voller Weindunst und Trester-Geruch. Das erinnerte mich an die beiden Jahre Anfang der 1970er, als ich als Student in Traben-Trarbach an der Mosel bei der Weinlese geholfen und 50 DM pro Tag plus Kost und Logis erhalten hatte. Ich habe also immer noch diese Geruchserinnerung. Die ist dann wohl unauslöschlich.

Ich ging in den grossen Verkaufsraum, wo an einem Tresen ein Rentnerehepaar sass, Wein verkostete und der Verkäuferin lauter Dinge erzählte, die diese sich einfach nur anhören musste - ob es sie nun interessierte oder nicht. Es interessierte sie nicht, soviel war klar.

Irgendwann schaffte sie dann doch den Absprung bis zu mir und fragte nach meinem Begehr. Ich wusste ja ganz genau was ich wollte, zeigte ihr ein Handyfoto von einer Flasche des Jahrgangs 2014, das meine Bekannte mir geschickt hatte, und bat um einen 6er-Karton.

Ob ich probieren wolle? Ich verneinte freundlich und war auch damit einverstanden, statt Jahrgang 2014 Produkte vom Jahrgang 2016 zu erstehen.

Ich verabschiedete mich und wurde auch von dem älteren Ehepaar mehr oder weniger von der Seite angequatscht. Der Mann sagte nicht nur "Auf Wiedersehen" zu mir, sondern auch noch sowas wie "Und geniessen Sie den guten Tropfen!" Als wenn er den Wein selbst geerntet, gekeltert und auf Flaschen gezogen hätte.

Ich sagte nur, schon hinausgehend, "Der ist nicht für mich." Und er so "Naja, aber trotzdem, es ist ein sehr guter Tropfen." Woher er das wohl wusste? Wollte sich wohl nur bissle als Kenner outen. Hätte sicher gewünscht, dass ich mich auf ein Gespräch einlasse, in dem er mir dann erzählt hätte, wann er diesen Wein, damals, zum ersten Mal gekauft hätte und so weiter und so fort. Da hatte er halt Pech. Ich hatte keine Lust, mich volllabern zu lassen.

Ich fuhr dann wieder heim, um den Wein gleich in den Keller zu bringen, damit er bei dem tollen Wetter nicht im Auto ins Schwitzen gerät.

Während der Fahrt überlegte ich, was ich mit der Rechnung von 38,22 € machen sollte. Soll ich mir das Geld erstatten lassen und vielleicht Kleingeld auf 40 € rausgeben? Oder schlimmer noch, 40 € einstecken, weil sie vielleicht ungeschickterweise "Lass mal" sagen würde? Ich möchte ihr den Wein gerne schenken. Aber ich weiss nicht, ob sie so ein Geschenk annimmt.

4 Flaschen hatte sie ja "bestellt". "Les bons comptes font les bons amis" sagt man. Korrekte Abrechnung erhält die Freundschaft.

Ich muss mir das nochmal überlegen.

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Donnerstag, 5. April 2018
Wiener

Sarah Wiener

Der Vater der Starköchin Sarah Wiener veröffentlichte vor fast 50 Jahren ein nicht nur für mich damals sehr wichtiges Buch mit dem Titel "Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman".

In seinem epochalen Werk, das alles andere als ein Roman ist, hat Oswald Wiener schon 1969 wichtige Entwicklungen vorhergesehen.

Oswald Wiener

Die Kubakrise lag erst wenige Jahre zurück und die Berliner Mauer sollte noch ganze 20 Jahre lang bestehen bleiben. Die Ankündigung, dass das Ende des Kalten Krieges unausweichlich bevorstehe, klang da eher illusorisch.

Zentrales Thema von Oswald Wiener war die zunehmende Bedeutung der von dem Mathematiker Norbert Wiener einige Jahrzehnte zuvor begründeten Kybernetik, also der Regel- und (Selbst-)Steuerungstechnik (von griechisch κυβερνειν (kybernein) = "steuern"), auf der letztlich unsere gesamte Digitalisierung basiert.

Oswald Wiener befasste sich unter anderem mit den Bereichen Künstliche Erlebniswelten und Künstliche Intelligenz. Er sah Entwicklungen voraus, auf denen heute Augmented Reality, Google Glasses und Videospiele basieren.

Vater & Tochter Wiener

Nachdem er zeitweise ein eigenes Lokal in Berlin betrieben hatte, lebt er heute zurückgezogen in Kanada.

Kochbuch Sarah Wiener La Dolce Wiener
Wiener-Dimensionen umfassen vieles, vom Dolce Vita bis zur Verbesserung von Lebensbedingungen durch Informationstechnologie

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Mittwoch, 28. März 2018
Chécrets

Also bei mir ist das so. Manchmal finde ich einfach keinen ersten Satz. Weil ich gar nichts bestimmtes zu sagen habe.

Naja, jetzt bin ich ja schon beim dritten, damit müsste es dann eigentlich laufen.

Der erste Satz war übrigens ein Vorschlag meiner Frau, als ich ihr sagte, dass ich auf der Suche bin.

Okay, ich wollte über einen Roman schreiben, der in Frankreich spielt, und dann fiel mir Wuppertal ein.

Uli und die Schwebebahn
Schwester Uli und die Schwebebahn

Als wir in Wuppertal lebten, nannten wir die dortige Tageszeitung immer das "Schwebebahn-Journal". Weil jeden Tag irgendeine - und sei es auch noch so kleine - Meldung über die Schwebebahn drin stand.

Und jetzt habe ich einen Roman einer Schweizer Autorin angefangen, der in einer bestimmten Region spielt.

baumann

Statt einer Schwebebahn gibt's dort die Kathedrale von Lisieux, Caen, weisse Kühe, Apfelbäume, die Apfelblüte im April, Apfelkuchen, flambiert mit Calvados, Cidre und ... die berühmten Strände der Normandie! Da, wo damals die Alliierten gelandet sind.

invasion

Was Margot S. Baumann an zwei Stellen ihres Werks unreflektiert und political incorrect als "Invasion" bezeichnet.

Im Licht der Normandie

Der Roman ist eine Mischung aus Liebes- und Kriminalroman, eigentlich ein besserer Groschenroman. ("Er sog scharf die Luft ein, riss sie dann ungestüm an sich und gemeinsam fielen sie aufs Bett. Sein Körper glühte, als würde er in Flammen stehen" usw.) Deswegen werde ich ihn auch nicht zu Ende lesen. Er langweilt mich einfach.

Charolais Rind
Charolais-Rind, fotografiert 2014 von Lilli

Lilli

Interessiert und neugierig gemacht hatte mich der Satz "Un chécret r'à pège teullement qu'à la fin no peut pus l'portaer". Kein "richtiges" Französisch, ich tippte auf Dialekt, Patois, Alt-Französisch. Frau Baumann übersetzt ihn so leichthin und ohne genauere Erklärung mit "Nichts wiegt so schwer wie ein Geheimnis."

Auf Neu-Französisch würde der Satz wohl lauten: "Un sécret pèse tellement qu'à la fin on ne peut plus le porter" - Ein Geheimnis wiegt so lange immer schwerer, bis man es schliesslich nicht mehr (er)tragen kann.

CREPERIE MONTOISE
In der Crêperie (2008)

Ich habe "Im Licht der Normandie" von Amazon Prime geschenkt beziehungsweise kostenlos geliehen bekommen. Das wird mich jedoch nicht veranlassen, mich bis zum Ende des Apfelkuchens durchzufressen.

Ich möchte endlich mal wieder ein gutes Buch lesen! Und einen guten Text schreiben.

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Donnerstag, 8. März 2018
Ich wollt ich wär Alain

Es gibt zwei Handlungsfragmente, für die ich ihn schon immer bewundert habe. Nur er konnte sie so gut als das darstellen, was sie sind. Nämlich Fragmente und eigentlich keine eigenständigen Handlungen. Sie zeichnen sich durch Beiläufigkeit und Coolness aus.

Das eine ist das Aussteigen aus dem Auto, wenn er irgendwo ankam. Aussteigen ist eigentlich schon ein viel zu langes Wort für das, was er tut. Wenn man nämlich nicht genau hinschaut, dann ist er schon wieder weg. Hat das Auto verlassen, die Tür hinter sich zugeschlagen und natürlich nicht abgeschlossen.

Alain Delon

Wie dem auch sei, das Abschliessen einer Autotür nach dem Aussteigen wurde in Filmen lange Zeit überhaupt nicht dargestellt, weil einfach zu spiessig und langweilig.

Das Problem hat sich dann von selber gelöst, seit es diese klick klack Schlüssel gibt, mit denen junge fesche Damen mit ihren Stöckelschuhen flugs aus dem Wagen steigen, ihre Handtasche umwerfen und zügig auf die Boutique zu stöckeln, während es hinter ihnen klick klack macht. Das sieht dann schon ganz süss und sexy aus.

Die andere Geste ist das Bezahlen. Ich hatte früher schon mal darüber gesprochen, aber es beschäftigt mich halt immer wieder gern. Wenn er in einem Bistro oder an der Theke sass und sein Glas ausgetrunken hatte, dann zog er, je nachdem, zwei Münzen oder einen Geldschein aus der Tasche, ohne hinzusehen, und pfefferte oder legte es einfach auf den Tisch oder die Theke und war auch schon verschwunden.

Alain Delon bezahlt seine Rechnung

Keiner hat um die Rechnung gebeten, niemand hat einen Bon oder eine Rechnung gebracht. Keiner weiss, was da verzehrt wurde und was das gekostet hat, ob in dem Betrag Trinkgeld enthalten ist oder nicht. Kein Betrag, kein Kramen im Geldbeutel, kein Wechselgeld, kein Dankeschön und kein Wiedersehen. In deutschen Filmen habe ich diese lässigen Handlungsfragmente nie gesehen.

Was das Autotür abschliessen betrifft, kann ich ja verstehen, dass man dem Zuschauer erspart, dabei zuzusehen, wie der Held die Wagentür sorgfältig abschliesst, bevor er zu einem gefährlichen Treff oder einem heissen Date geht. Bei einer anderen Geste fühle ich mich aber oft verscheissert. Und zwar betrifft das das Einnehmen von einer oder mehreren Tabletten.

Das ist für Kameras natürlich auch nicht sehr spektakulär, wenn Sie eine geöffnete Hand zeigen müssen, in der eine Tablette liegt. Deswegen meinen sie dann öfters gerne mal, sie müssten jetzt noch ganz besonders darauf hinweisen, dass hier jemand eine Tablette (!) schluckt (!). Und wie machen sie das am besten? Sie zeigen den halt, wie er sich etwas einwirft, einen Schluck Wasser nimmt und dann ruckartig und dramatisch den Kopf in den Nacken wirft (!), so als müsste man das machen, damit die Tablette auch wirklich senkrecht nach unten rutscht.

Reine Verarsche ist das. Niemand wirft den Kopf in den Nacken, wenn er eine Pille nimmt.

Und eins ist sowieso sicher. Delon nimmt keine Pillen.

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