Freitag, 18. Januar 2019
Sauber
DoigtsNets

Als ich die Schachtel Doigts Nets Feuchttücher im Regal des Intermarché sah, musste ich spontan an Les doigts dans le nez et le pouce dans le cul denken. Den Finger in der Nase und den Daumen im Arsch. Doigts Nets heisst natürlich nur Saubere Finger. Trotzdem würde es mich nicht wundern, dass diese vorweihnachtliche Produktbezeichnung absichtlich und mit so einer Art Augenzwinkern gewählt wurde.

Das Produkt habe ich jetzt halt eben. Und irgendwie und irgendwann werde ich es auch sicher brauchen können, wofür auch immer. Wobei ich jetzt überhaupt nicht an Monk denke, dem seine Assistentin immer schnell ein Tuch! Tuch! reichen muss, wenn er jemandem die Hand gegeben hat. Meine Frau würde das nie machen. Und ich auch nicht.

Was das Einkaufen betrifft, haben wir neulich den Aldi für uns entdeckt. In so einem Konvent kann man ja nicht nur billig, sondern auch wirklich gut einkaufen. Als erstes wäre da mal die Leberwurst, die wir dort zufällig beglückwünschten. Die enthält ja sehr viel Vitamin B12, was für Leute, die mehr zu vegetarischer oder legaler Kost tendieren, schon mal ganz wichtig sein kann.

Dieser Eintrag enthält ein paar grobe Fehler, die ganz offensichtlich sind. Schon bemerkt? Wieviele? Ich bin ja sonst eher der Typ, der weniger auf die Preise achtet, weil es mir - Achtung, Kalauer! - wurscht ist, ob irgend so ein Artikel 1,29 € oder 1,69 € kostet. Wenn man aber den ganzen Einkauf, den man sonst beim Rewe macht und dann mit 50 € an der Kasse begleicht, betrachtet, sind es bei dem genannten Discounter nur plusminus 25 €. Da freut sich doch das innere Sparschwein.

Obwohl, was das Benzin betrifft, da schaue ich nicht auf den Preis. Ich mache da auch keine Umwege für. Meine Aral Tanke hat rund um die Uhr geöffnet und verkauft auch frische Obst- und Backwaren sowie Bettwäsche. Und jemand, der es wissen muss, hat mir neulich bestätigt, dass man mit dem Ultimate 102 nicht nur den Motor reinigt (meiner hat schon über 200.000 Kilogramm) sondern auch mehr Kilometer macht.

So habe ich dann letzten Endes doch wieder gespart.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 10. Januar 2019
Hart auf hart
Weil meine bisherige Physio-Dame gestern krank war, hatte ich es mit einer anderen Fachkraft zu tun, die sofort einen besonders dynamischen Eindruck auf mich machte.

Ich sollte mich alsbald und unter anderem auf eine Liege legen, das linke Bein anwinkeln, langsam auf und ab bewegen und gleichzeitig mit meiner rechten Handfläche ihre ausgestreckte linke so fest drücken wie möglich. "Nicht, dass sie mir nach hinten wegkippen", versuchte ich zu scherzen.

Sie verschärfte nach und nach die Intensität der darauffolgenden koordinationsfördernden Übungen. Wir hatten dabei ein paar Lacher zusammen und ich war bald ein bissle ausser Atem. "Los!" sagte sie mehrmals, "fester, fester!"

Bei einer Übung, als mein Mittun ihr wohl etwas zu zögerlich war, forderte sie mich wieder auf: "Immer feste drücken, mit Schmackes!" Darauf ich so: "Sie sind aber auch nicht von hier."

"Ich bin ursprünglich aus Lübeck" , sagte sie. Ich wollte schon etwas von Thomas Mann und Niederegger Marzipan brabbeln, weil wir doch neulich noch dort gewesen waren. Doch das schien sie nicht wirklich zu interessieren. Klar, wir waren ja auch nicht beim Kaffeeklatsch.

Konzentration war gefragt und ich konnte auch nicht einfach mit geschlossenen Augen an die Decke schauen wie bei der Zahnärztin.

So gingen unsere Blicke über längere Strecken unseres Beisammenseins immer schön aneinander vorbei, um den anderen nicht in Verlegenheit zu bringen.

Es fühlte sich alles sehr gut und richtig an.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 13. November 2018
Der Stand / Lauf der Dinge
Per Beantwortungsgerät wurde ich gebeten, mich später noch einmal zu melden. Im Moment seien viele Patienten in der Praxis, weswegen man nicht sofort alle Anrufe beantworten könne.

Ich hatte ja ihre E-Mail-Adresse und schrieb wie folgt vormittags um 11:30 Uhr.

Guten Tag Frau Dr. X,

da mein Hausarzt, der mich an Sie überwiesen hat, mir keine Überweisung zu einer Physiotherapie ausstellen wollte, habe ich auf eigene Faust Kontakt mit einer therapeutischen Praxis aufgenommen. Ich bin gegebenenfalls auch bereit, die Kosten selber zu übernehmen.

Die Physiotherapeutin, Frau --- in --- , bittet mich jedoch um einen Befund von Ihnen, um ihre Behandlung besser auf mich abstimmen zu können.

In Erwartung einer Nachricht von Ihnen und mit freundlichen Grüssen

Die Antwort meiner freundlichen Neurologin kam noch am gleichen Tag um 19.30 Uhr.

Lieber Herr Y,

Sie können morgen Ihren Brief und den Verordnungsschein für KG bei mir in der Praxis abholen - oder soll ich Ihnen beides zuschicken lassen?

Herzliche Grüße,

Mit dem Schein für zehn Einheiten kann ich jetzt zur Physiotherapeutin gehen.

Warum schreibe ich das? Weil ich mich freue, dass etwas vorangeht. Und dass die Neurologin so prompt und positiv geantwortet hat, nachdem ich vorher ja eher abschlägig beschieden worden war.

In dem ansonsten eher medizinischen Befund stand übrigens auch ein für mich ganz gut verständlicher Satz über meine Person. "Wacher, freundlich zugewandter, affektiv gut schwingungsfähiger Patient ohne pathologische Denkinhalte oder formale Denkstörungen."

Alles wird gut.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Samstag, 10. November 2018
Halbzeit

Martin Walser & Diether Petter in Badenweiler

Martin Walser hochschätze ich, seit ich 1963 seinen Roman Halbzeit las. Seitdem war für mich immer mal wieder Halbzeit und ich besuchte ihn auch wiederholt auf Lesungen im Land.

Martin Walser und Schreibman in Hausach

Wie er fühlte ich mich damals als Linker und Kommunist und wäre ebenfalls wie er fast in die Kommunistische Partei eingetreten. Und wie er empfand ich schon damals die DDR als etwas völlig Unnatürliches, als alle sie noch in Anführungszeichen setzten.

Und ebenfalls wie er empfand ich seinen schärfster Kritiker, Marcel Reich-Ranicki, immer nur irgendwie widerlich.


Und wieder teile ich mit ihm eine wundersame Wandlung. Die von einem Gegner von allem, was nach Rechts und CDU riecht, zu einem Bewunderer der Kanzlerin Merkel.

Martin Walser

Während Walser Geschichten veröffentlichte, machte sie Geschichte.Walser preist sie auf wunderschöne Weise im heutigen Spiegel Nr. 46.

walser über merkel

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

Und würdigt eine ihrer Stärken.

kleist verfertigung gedanken

Und das gilt nicht nur für's Reden, sondern auch für's Schreiben.

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/10/29/das-ende/

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 9. November 2018
Wunderheiler und Simulant?

Meinem neuen Hausarzt – bisher hatte ich gar keinen - berichtete ich gestern von meinen beiden Besuchen bei der Neurologin, an die er mich überwiesen hatte.

Als ich ihn fragte, ob er mir ein Rezept für Physiotherapie ausstellen könne, meinte er nein, das sei rausgeschmissenes Geld. Würde mir genauso wenig nützen wie die Alpha Lipon Säure Tabletten.

Ich könne doch laufen. Was ja auch stimmt. Ich solle Stock, Rollator und Pillen vergessen. Und einfach nur laufen. Am besten gleich den Rollator bei ihm stehen lassen und freihändig zu meinem Auto auf den Parkplatz gehen.

Vielleicht wäre das ja schon der erste  Schritt gewesen. Oder einfach nur ein Flug auf die Schnauze.

Ich überlegte bissle hin und her, ob ich nun eher in die Kategorie Der hat ja garnichts oder Der sollte unbedingt was tun gehöre, und entschied mich dann, auf jeden Fall mal Physiotherapie zu machen. Ob mit oder ohne Rezept.

Erster Termin ist nächste Woche.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 31. Oktober 2018
Anfänge

erika

Weihnachten 1962, als ich gerade 11 Jahre alt geworden war, brachte ich eine Sonderausgabe der Zeitschrift "Bonbon" heraus, die ich kurz davor gegründet hatte.

Bonbon1

Die Auflage dürfte drei bis vier Exemplare betragen haben, da ich zur Vervielfältigung nur Kohlepapier zur Verfügung hatte, und getippt wurde mit einer "Reise-Schreibmaschine" der Marke "Erika", die meine Mutter mir zur Verfügung gestellt hatte.

muttimiterika

Das mit einem anderen Vervielfältigungssystem hergestellte "Feuilleton" hatte dann vermutlich schon eine gesteigerte Auflagenzahl im zweistelligen Bereich, also etwa 10 bis 11 Hefte.

Feuilleton3

Der "Treffpunkt" entstand schliesslich mit Hilfe einer Vervielfältigungsmaschine, die mein Onkel, der im Schwarzwald Fabrikdirektor war, ausgemustert und mir geschenkt hatte. Jetzt gab es kein Halten mehr, auch das Redaktionsteam bestand inzwischen aus mehr als einer Person.

treffpunkt5treffpunkt4

Was die genannte Auflage von 150 betrifft, dürfte es sich allerdings um einen Tippfehler handeln.

treffpunkt6

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 28. Oktober 2018
Nicht jeder Teppich ist rot
Es ging mir um ein ganz bestimmtes Zitat, in dem von einem Teppich die Rede war. Ich hatte nur noch eine vage Vorstellung davon, was ich einmal gelesen hatte, und googelte "Sprache Teppich ausrollen". Leider erhielt ich nur Textstellen, in denen von einem roten Teppich die Rede war.

Erst nach längerem Suchen gelang es mir, im Spiegel-Archiv den Namen des Autors und die gesuchte Textstelle zu finden. Darin wurde der Sprache nicht etwa ein "roter Teppich ausgerollt", noch wurde ein solcher überhaupt ausgerollt, sondern regelrecht ausgebreitet.

Teppiche werden von uns nämlich ausgebreitet, wenn wir über irgendwas mit irgendwem sprechen.

"Wir reden", erklärt Dirk Baecker, "um immer mehr von dem zu verstehen, von dem wir gleichzeitig immer weniger verstehen."

Das muss man erstmal zweimal lesen. Und auch dann versteht man es eher nur annäherungsweise.

"Wir reden, um einen Teppich auszubreiten, über den wir dann laufen können und unter dem wir die Welt vermuten. Wir reden nicht, um etwas herauszufinden, sondern um etwas auszuprobieren."

Das Ich erfindet und zeigt sich mit jedem Satz neu. Es ist nie das gleiche wie noch vor ein paar Minuten. Wir sprechen, um uns voranzutasten, um alles bisher Gesagte und Gehörte weiterzuentwickeln, und um "zu hören, wie es klingt, am Klang zu erkennen, was wir eventuell noch meinen, und am Gegenüber zu erleben, wie weit das reicht."

Wie weit hat das (bis zu) Dir jetzt gereicht, lieber Leser?

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/52715204

... link (0 Kommentare)   ... comment