Dienstag, 13. November 2018
Der Stand / Lauf der Dinge
Per Beantwortungsgerät wurde ich gebeten, mich später noch einmal zu melden. Im Moment seien viele Patienten in der Praxis, weswegen man nicht sofort alle Anrufe beantworten könne.

Ich hatte ja ihre E-Mail-Adresse und schrieb wie folgt vormittags um 11:30 Uhr.

Guten Tag Frau Dr. X,

da mein Hausarzt, der mich an Sie überwiesen hat, mir keine Überweisung zu einer Physiotherapie ausstellen wollte, habe ich auf eigene Faust Kontakt mit einer therapeutischen Praxis aufgenommen. Ich bin gegebenenfalls auch bereit, die Kosten selber zu übernehmen.

Die Physiotherapeutin, Frau --- in --- , bittet mich jedoch um einen Befund von Ihnen, um ihre Behandlung besser auf mich abstimmen zu können.

In Erwartung einer Nachricht von Ihnen und mit freundlichen Grüssen

Die Antwort meiner freundlichen Neurologin kam noch am gleichen Tag um 19.30 Uhr.

Lieber Herr Y,

Sie können morgen Ihren Brief und den Verordnungsschein für KG bei mir in der Praxis abholen - oder soll ich Ihnen beides zuschicken lassen?

Herzliche Grüße,

Mit dem Schein für zehn Einheiten kann ich jetzt zur Physiotherapeutin gehen.

Warum schreibe ich das? Weil ich mich freue, dass etwas vorangeht. Und dass die Neurologin so prompt und positiv geantwortet hat, nachdem ich vorher ja eher abschlägig beschieden worden war.

In dem ansonsten eher medizinischen Befund stand übrigens auch ein für mich ganz gut verständlicher Satz über meine Person. "Wacher, freundlich zugewandter, affektiv gut schwingungsfähiger Patient ohne pathologische Denkinhalte oder formale Denkstörungen."

Alles wird gut.

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Samstag, 10. November 2018
Halbzeit

Martin Walser & Diether Petter in Badenweiler

Martin Walser hochschätze ich, seit ich 1963 seinen Roman Halbzeit las. Seitdem war für mich immer mal wieder Halbzeit und ich besuchte ihn auch wiederholt auf Lesungen im Land.

Martin Walser und Schreibman in Hausach

Wie er fühlte ich mich damals als Linker und Kommunist und wäre ebenfalls wie er fast in die Kommunistische Partei eingetreten. Und wie er empfand ich schon damals die DDR als etwas völlig Unnatürliches, als alle sie noch in Anführungszeichen setzten.

Und ebenfalls wie er empfand ich seinen schärfster Kritiker, Marcel Reich-Ranicki, immer nur irgendwie widerlich.


Und wieder teile ich mit ihm eine wundersame Wandlung. Die von einem Gegner von allem, was nach Rechts und CDU riecht, zu einem Bewunderer der Kanzlerin Merkel.

Martin Walser

Während Walser Geschichten veröffentlichte, machte sie Geschichte.Walser preist sie auf wunderschöne Weise im heutigen Spiegel Nr. 46.

walser über merkel

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

Und würdigt eine ihrer Stärken.

kleist verfertigung gedanken

Und das gilt nicht nur für's Reden, sondern auch für's Schreiben.

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/10/29/das-ende/

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

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Freitag, 9. November 2018
Wunderheiler und Simulant?

Meinem neuen Hausarzt – bisher hatte ich gar keinen - berichtete ich gestern von meinen beiden Besuchen bei der Neurologin, an die er mich überwiesen hatte.

Als ich ihn fragte, ob er mir ein Rezept für Physiotherapie ausstellen könne, meinte er nein, das sei rausgeschmissenes Geld. Würde mir genauso wenig nützen wie die Alpha Lipon Säure Tabletten.

Ich könne doch laufen. Was ja auch stimmt. Ich solle Stock, Rollator und Pillen vergessen. Und einfach nur laufen. Am besten gleich den Rollator bei ihm stehen lassen und freihändig zu meinem Auto auf den Parkplatz gehen.

Vielleicht wäre das ja schon der erste  Schritt gewesen. Oder einfach nur ein Flug auf die Schnauze.

Ich überlegte bissle hin und her, ob ich nun eher in die Kategorie Der hat ja garnichts oder Der sollte unbedingt was tun gehöre, und entschied mich dann, auf jeden Fall mal Physiotherapie zu machen. Ob mit oder ohne Rezept.

Erster Termin ist nächste Woche.

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Mittwoch, 31. Oktober 2018
Anfänge

erika

Weihnachten 1962, als ich gerade 11 Jahre alt geworden war, brachte ich eine Sonderausgabe der Zeitschrift "Bonbon" heraus, die ich kurz davor gegründet hatte.

Bonbon1

Die Auflage dürfte drei bis vier Exemplare betragen haben, da ich zur Vervielfältigung nur Kohlepapier zur Verfügung hatte, und getippt wurde mit einer "Reise-Schreibmaschine" der Marke "Erika", die meine Mutter mir zur Verfügung gestellt hatte.

muttimiterika

Das mit einem anderen Vervielfältigungssystem hergestellte "Feuilleton" hatte dann vermutlich schon eine gesteigerte Auflagenzahl im zweistelligen Bereich, also etwa 10 bis 11 Hefte.

Feuilleton3

Der "Treffpunkt" entstand schliesslich mit Hilfe einer Vervielfältigungsmaschine, die mein Onkel, der im Schwarzwald Fabrikdirektor war, ausgemustert und mir geschenkt hatte. Jetzt gab es kein Halten mehr, auch das Redaktionsteam bestand inzwischen aus mehr als einer Person.

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Was die genannte Auflage von 150 betrifft, dürfte es sich allerdings um einen Tippfehler handeln.

treffpunkt6

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Sonntag, 28. Oktober 2018
Nicht jeder Teppich ist rot
Es ging mir um ein ganz bestimmtes Zitat, in dem von einem Teppich die Rede war. Ich hatte nur noch eine vage Vorstellung davon, was ich einmal gelesen hatte, und googelte "Sprache Teppich ausrollen". Leider erhielt ich nur Textstellen, in denen von einem roten Teppich die Rede war.

Erst nach längerem Suchen gelang es mir, im Spiegel-Archiv den Namen des Autors und die gesuchte Textstelle zu finden. Darin wurde der Sprache nicht etwa ein "roter Teppich ausgerollt", noch wurde ein solcher überhaupt ausgerollt, sondern regelrecht ausgebreitet.

Teppiche werden von uns nämlich ausgebreitet, wenn wir über irgendwas mit irgendwem sprechen.

"Wir reden", erklärt Dirk Baecker, "um immer mehr von dem zu verstehen, von dem wir gleichzeitig immer weniger verstehen."

Das muss man erstmal zweimal lesen. Und auch dann versteht man es eher nur annäherungsweise.

"Wir reden, um einen Teppich auszubreiten, über den wir dann laufen können und unter dem wir die Welt vermuten. Wir reden nicht, um etwas herauszufinden, sondern um etwas auszuprobieren."

Das Ich erfindet und zeigt sich mit jedem Satz neu. Es ist nie das gleiche wie noch vor ein paar Minuten. Wir sprechen, um uns voranzutasten, um alles bisher Gesagte und Gehörte weiterzuentwickeln, und um "zu hören, wie es klingt, am Klang zu erkennen, was wir eventuell noch meinen, und am Gegenüber zu erleben, wie weit das reicht."

Wie weit hat das (bis zu) Dir jetzt gereicht, lieber Leser?

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/52715204

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Sonntag, 14. Oktober 2018
Allez les Écolos
Mein Sohn Bastian wurde gestern in den Stadtrat von Wavre gewählt.

Bastian

Auch Schwiegertochter Catherine kandidierte.

Catherine

Am gestrigen Sonntag, 14. Oktober, bei den Kommunalwahlen in Belgien.

Ecolo

Ich hoffe das Beste für uns alle und wünsche den Grünen auch weiterhin immer mehr Stimmen.

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Freitag, 5. Oktober 2018
Zehn kleine Negerlein
1. Wenn Du auf Netflix eine Serie siehst, die zehn Folgen hat, wobei in der ersten Episode ein Mord geschieht und auch schon der Täter gefunden wird, denkst Du: "Wie soll das noch weitergehen? Was soll in den übrigen neun Folgen noch passieren?"

2. Zehn kleine Negerlein hiess die deutsche Ausgabe des Krimis Ten little Indians von Agatha Christie. Heute heisst sie Und dann gabs keines mehr. In meiner Filmserie gibt's nur einen Schwarzen. Der ermordet wird. Und viele Belgier. Skurrile, normale und sonstige.

3. Wenn in der dritten Folge des Films der wahre Mörder dann endlich gefunden scheint, kannst Du Dir doch wieder die Frage stellen, was in den restlichen sieben Episoden wohl noch so passieren könnte.
La-Treve
4. In La Trêve / The Break gibt es einen Mord, der mehrmals aufgeklärt scheint, wonach dann erneut eine unerwartete Wendung eintritt.

5. Der Film spielt in dem fiktiven Ort Heiderfeld in den Ardennen. Er ist eine Produktion des belgischen Fernsehens RTBF (Radio Télévision Belge Francophone). Die deutsche Version ist sehr gut synchronisiert.

6. Der Mörder ist noch immer nicht gefunden. Ich dachte plötzlich daran, dass ich den Film ja auch in der französischen Version anschauen könnte. Ich wechselte also den Audiokanal und vergass, die deutschen Untertitel auszuschalten. So konnte ich ständig feststellen, dass auch diese sehr gut sind. Zum Beispiel wird n'importe quoi ganz richtig und einfach mit Schwachsinn übersetzt. Damit hatte ich damals als Übersetzer manchmal Probleme.

7. Der Name des Handlungsorts Heiderfeld, tief im Ardennenwald, klingt zwar deutsch und ist fiktiv. Im Lauf des Films werden jedoch gelegentlich auch reale Orte wie Lüttich (Liège), Sprimont, Verviers, Jambes und das Flüsschen Semois erwähnt. Bürgermeisterin ist Frau Fischer (Madame Fischäähr).

8. In der achten Folge neue überraschende Wendung. Schätzungsweise die zwölfte oder fünfzehnte. Wenn Du diese Folge siehst, kannst Du praktisch nicht mehr einfach aussteigen und ins Bett gehen. Die Spannung ist so stark angestiegen, dass Du die letzten drei Folgen unbedingt noch in dieser Nacht sehen willst.

9. Wenn ich eine Rezension eines Buchs oder eines Films lese, in der nicht steht, dass es zahlreiche überraschende Wendungen gibt, entsteht bei mir erst gar kein Interesse. Jeder Text oder Film muss ständig unerwartete Wendungen haben, sonst schaffe ich es kaum, die Rezension überhaupt richtig zu Ende zu lesen. Auch wenn sie zu viele Angaben zur Handlung enthält, mindert dies mein Bedürfnis, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen, ganz erheblich, wenn nicht gar komm! plett!
LaTreveF
10. So kurz vor Schluss kann man es einfach nicht glauben, dass in der zehnten Folge noch irgendetwas passieren könnte. Aber es bleibt spannend bis! zu! letzt! Ich bin die ganze Folge über sprachlos und fassungslos. Mehr darf hier nicht verraten werden.

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